Paperbomb

Stell dir vor…
alle Bomben wären aus Papier

Paperbomb Paperbomb

Monumental und dennoch zerbrechlich – Nezillas Installation PAPERBOMB ist ein Symbol für Frieden, Erinnerung und Freundschaft. Ab Juni 2024 begibt sie sich auf eine Reise zu den kriegshistorisch bedeutenden Ausstellungsorten in Frankreich.

Inspiriert von den 1600 Origami-Kranichen der Hibakusha Sadako Sasaki, die als universelles Friedenssymbol gelten, überträgt Nezilla die Botschaft in ein neues Medium. Die formale Gestaltung der Installation, die trotz metallischer Konstruktion auf die Fragilität des Materials Papier rekurriert, spiegelt die Ambivalenz von Zerstörung und Schöpfung sowie Krieg und Frieden wider. Massiv und unausweichlich fordert sie die Betrachtenden auf, sich mit ihrer Präsenz auseinanderzusetzen. Auf diese Weise reflektiert die PAPERBOMB die Rolle des Individuums zwischen Zerbrechlichkeit und Beständigkeit im Kampf um den Frieden: Wenn wir nicht für den Frieden kämpfen, dann existiert er nicht.

Eine erste Friedensbotschaft übermittelte Phillippe Hansch, Direktor des Weltzentrums für Frieden, Freiheiten und Menschenrechte (Centre Mondial de la paix – Verdun), der die PAPERBOMB auf dem JEJU FORUM FOR PEACE & PROSPERITY in Südkorea vorstellte.

Phillippe Hansch überreicht Vice Governor Kim Ae-Sook eine Miniaturversion der PAPERBOMB auf dem JEJU FORUM

Lee Jae Jin, Tamari Masahito, Yunju Ko, Ekaterina Zagladina, Vice Governor Kim Ae-Sook, Philippe Hansch, Ito Gensei und Bu Jongbae auf der Session „Global Peace Cities Solidarity: Sub-Nation Diplomacy based on Network among Cities and Regions“

Durch die bewusste Platzierung an Orten in Frankreich, die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs Schauplatz von Massakern und Verbrechen waren, erhält die nun PAPERBOMB eine kontextuelle Bedeutung. Während die Ausstellung der PAPERBOMB an historisch belasteten Orten werkimmanente Spannungen amplifiziert, wird das Kunstwerk zum Mahnmal gegen das Vergessen und dient als Appell, aktiv für den Frieden einzutreten. Innerhalb einer von Kriegskonflikten geprägten globalen Gesellschaft ist die Botschaft der Erhaltung des Friedens als gemeinsames Ziel dringlicher denn je.

Die verschiedenen Standorte nehmen auf das territoriale Ausmaß der Kriegsverbrechen Bezug und verweisen gleichzeitig auf die vielen Einzelschicksale der Opfer. Dadurch entfaltet sich eine einzigartige, ortsabhängige Dynamik zwischen dem Werk und seiner Umgebung, die einen fortwährenden Dialog initiiert und somit ein Gesamtbild erschafft, welches den Betrachtenden eindringlich vor Augen führt, wie schnell das eigene Handeln zur Bedrohung werden kann.

Als Mahnmal gegen das Vergessen und als Symbol des Friedens erinnert uns die PAPERBOMB, dass wir aus der Geschichte lernen müssen, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung verkörpert sie neben des Gedenkens an vergangene Taten auch die die Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft, die durch politische Freundschaft und Verbundenheit geebnet wird.

TULLE

Am 9. Juni 2024 jährt sich in Tulle das Massaker an 99 unschuldigen Zivilisten sowie der Deportation von über 150 weiteren Zivilisten, von denen 101 nie zurückkehrten, zum 80. Mal. Zu diesem Gedenken wird eine Zwei-Meter-Variante der PAPERBOMB am zentralen Gedenkort, dem Champ des Martyrs, enthüllt.

Die geplante Einweihung der Skulptur am Ende der Zeremonie wird Anwesenheit von François Hollande stattfinden. Präsident Macron wird am folgenden Tag die Gedenkstätte besuchen.

Als Symbol des Friedens im Gedenken an die Opfer sowie vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Freundschaft ist es bemerkenswert, dass eine Skulptur einer deutschen Künstlerin aufgestellt wird.

 

 

HARTMANNSWILLERKOPF

Der Hartmannswillerkopf war während des Ersten Weltkriegs ein Ort heftiger Kämpfe zwischen deutschen und französischen Truppen. Die Schlacht um den Gipfel begann am 31. Dezember 1914. Die intensivsten Auseinandersetzungen fanden am 19./20. Januar, 26. März, 25./26. April sowie am 21./22. Dezember 1915 statt und führten zum Tod von über 30.000 Soldaten.

Vor 100 Jahren wurde das Comité du Monument National du Hartmannswillerkopf (CMNHWK) gegründet, um alle gefallenen Soldaten zu ehren und das Denkmal zu erhalten. Die Weitergabe der Erinnerungspflicht an Besucher und zukünftige Generationen hat für das CMNHWK oberste Priorität.

Am 3. August 2024 wird im Rahmen eines Festakts am Hartmannswillerkopf eine Zwei-Meter-Variante der PAPERBOMB dauerhaft ausgestellt – 110 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, 100 Jahre nach der Gründung der Gedenkstätte und zehn Jahre nach den offiziellen 100-Jahr-Feierlichkeiten mit den Präsidenten Hollande und Gauck.

ORADOUR-SUR-GLANE

Am 9. Mai 2025 wird eine Zwei-Meter-Variante der PAPERBOMB vor dem Nordeingang des ursprünglichen Dorfes Oradour-sur-Glane installiert, welches am 10. Juni 1944 von den Nazis zerstört wurde und wobei 643 Menschen grausam ermordet wurden.

Diese Platzierung schafft nicht nur einen materiellen, sondern auch symbolischen Übergang zwischen dem alten, zerstörten und dem neuen Oradour. Das gewählte Datum im Jahr 2025 markiert den 80-jährigen Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Eine Reise gegen das Vergessen

Gemeinsam mit Sibylle Treugut, Lehrerin am Hölderlin-Gymnasium in Heidelberg, und Daniéle Sadowski, Lehrerin am Lycées Albert Thomas Roanne, plant Nezilla im Oktober 2024 eine Kulturreise mit einer deutschen und französischen Schulklasse zu den historischen Orten des Ersten und Zweiten Weltkriegs, unter anderem zum Vieil Armand im Elsass sowie Moulins und Tulle. An jedem dieser Orte werden die Schülerinnen und Schüler ein Theaterstück aufführen, welches die Geschichte veranschaulicht.

Die französische Regisseurin und Schauspielerin Émilie Weiss arbeitet an einem Theaterstück „Gegen das Vergessen“ eigens für die Begegnung. Die Aufführung wird durch ein Rap-Musikstück ergänzt, welches die Musiker Bryan Vit und Toni L. mit den Schülerinnen und Schülern einstudieren.

Die Reise ermöglicht den Schülerinnen und Schülern den Ausbau und die Festigung der deutsch-französischen Freundschaft. Sie trägt dazu bei, das Massaker nicht zu vergessen. Indem sie Erfahrungen teilen, die Geschichte erkunden und gemeinsam der Opfer gedenken, können Vorurteile abgebaut und ein Gefühl der Solidarität und des gegenseitigen Verständnisses geschaffen werden.

Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von S.E. François Delattre, Botschafter von Frankreich in Deutschland und S.E. Stephan Steinlein, Botschafter von Deutschland in Frankreich.

Freundlich unterstützt wird die Reise "Les 80 ans de la Libération" von dem französischen Honorarkonsulat in Mannheim, dem Institut Français Mannheim und dem Verein Le Souvenir français.